Ungefähr zehn Jahre ist es nun her, seitdem sich meine technikhungrige Nerdseele durch einen neuen Trend, der auch in der Kosmetikindustrie langsam an Beliebtheit gewann, wie im siebten Himmel fühlt: Einige meiner Kunden führten die erste Webinarsoftware ein und das eröffnete neue Dimensionen im Training.

Wundervoll, dachte ich. Die Businesskunden dieser Unternehmen würden begeistert sein. Endlich müssten sie keine beschwerlichen Reisen mehr auf sich nehmen, sich zu Unzeiten in überfüllte Züge pferchen und sich in stickigen Seminarhotels in Hauptbahnhofnähe übermüdet durch lange Seminartage quälen. Sie würden ebenso wie ich endlich ihre Leidenschaft für die spannende Technik entdecken und nach immer neuen, lehrreichen Trainingssequenzen lechzen.

Doch auch leise Zweifel waren präsent: Würden es die weniger technikaffinen unter den potenziellen Teilnehmern schaffen, sich in die Web-Sitzungen einzuwählen und würden deren Endgeräte konditionell in der Lage sein, Bild, Ton und vielleicht sogar Videos flüssig wiederzugeben?

Wie würden meine Teilnehmerinnen das Gelernte umsetzen? Würden mich meine Kunden bei großem Erfolg dann überhaupt noch für Präsenztrainings und deren Konzeption buchen oder war es das gewesen mit meinem unabhängigen Nomadenleben und den geliebten Reisen durch ganz Europa?

Und waren die Softwareunternehmen, die eine solche Technik bereitstellten, darauf gefasst, dass außerhalb ihres Kosmos noch dinosaurierartige Empfangsgeräte in staubigen Ecken lauerten, die auf 56k Basis das multimediale Trainingserlebnis noch vor Beginn im virtuellen Keim ersticken könnten?

Trotz einiger Bedenken war ich irre gespannt. Ich war neugierig ohne Ende, wie es sich anfühlen würde, mit dem neuen Trainingsformat zu starten. Bis es jedoch so weit war, musste ich selbst trainieren. Professionelle Berater, die erklärten, wie bestehende Inhalte am besten in das neue Format zu übertragen und gehirngerecht aufzubereiten waren, gab es zu dieser Zeit für uns nicht.

Meine Sparringspartnerin war auch zu diesem Zeitpunkt bereits Kollegin Wollmilchsau, die mit dem Biss (siehe Bild auf der Seite „Konzepte und Content“).

Das war mein Glück. Auch wenn es außerordentlich unbequem war, kann ich so eine Wollmilchsau jedem empfehlen. Ein gnadenloses Geschöpf mit einem scharfen Blick für jegliche Unprofessionalität, das noch dazu kein Blatt vor das lose Mundwerk nahm und ein noch dickeres Fell hat als ich. Vielleicht haben auch Sie so ein Exemplar im Unternehmen, das nur darauf wartet, ein solches Projekt mit Ihnen zu starten. Oder ich leihe Ihnen meine oder komme selbst zu Ihnen 😉

Im Nachhinein kann ich sagen, dass genau diese kritische, ungeschönte Betrachtungsweise unseren Teilnehmern viel Langeweile erspart hat. Trotz all dieser Vorbereitung harrte ich schließlich mit Lampenfieber und Herzklopfen der ersten Ankömmlinge im virtuellen Meetingraum. Würde alles so klappen, wie es vorgesehen war? Und würde ich vor lauter Aufregung in der Lage sein, mich sowohl auf die technischen Abläufe als auch auf die fachliche Botschaft zu konzentrieren?

Es war soweit – die ersten Live-Sessions starteten. Beflissen hatte ich meinen virtuellen Seminarraum vorbereitet, eine ausschweifende Power Point Präsentation auf die Plattform geladen und geduldig auf die Konvertierung der Daten gewartet. Sogar das Einfügen von Quizfragen war zu diesem Zeitpunkt bereits möglich, was jede von uns sehr eifrig nutzte, obwohl jede Frage und alle Antworten bei jeder Session erneut und zudem sehr umständlich einzeln ins System eingegeben werden mussten.

Und siehe da – der Seminarraum war voll, berstend voll, schon allein aus Neugierde und aus dem Bestreben heraus, bloß nicht zu kurz zu kommen. Allerdings möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass meine ersten Teilnehmer so ausgewählt wurden, dass eine gewisse Internetaffinität die Voraussetzung für die Teilnahme war.

Was Kollegin Wollmilchsau und ich in den letzten 10 Jahren jedoch erlebten, würde den Rahmen dieses Blogbeitrags sprengen. Mit allen virtuellen Wassern gewaschen, von sämtlichen nur erdenklichen Technikproblemen auf Referenten- und Teilnehmerseite bis zum Wahnsinn gebracht und durch viele hundert Webinare gegangen ziehen wir heute Bilanz:

E-Learning aller Art hat absolut seine Berechtigung. Aber nie als hundertprozentiger Ersatz für Präsenztrainings, sondern immer als Ergänzung, Abrundung oder zur Vertiefung der erlernten Inhalte. In Maßen statt in Massen. Leicht verdaulich und zielgruppenverträglich. Eher kürzer als stundenlang. Multimedial und am besten mit Elementen des Storytellings, mit interaktiven Sequenzen, Videos, Umfragen und Follow ups. Am besten auch mit einem Belohnungssystem, das aufgrund der mittlerweile eingetretenen virtuellen Übersättigung für mehr Kundenbindung sorgt.

Wie wäre es zum Beispiel mit einem speziellen Angebot, von dem nur Absolventen Ihres Online-Kurses profitieren können? Ein anschließendes Tracking zur Erfolgskontrolle würde zudem den Effekt der Maßnahmen messen und den Stellenwert im Unternehmen deutlich anheben. Auch spezielle Zertifikate oder Online-Abschlussprüfungen sind immer eine Möglichkeit, die Kunden zum Mitmachen und vor allem auch zum Lernen zu motivieren.

Wichtig ist darüber hinaus eine moderne  Software, die die verwendeten Endgeräte erkennt, sowohl die Datenmenge als auch das Ausgabeformat an die technischen Gegebenheiten auf Teilnehmerseite anpasst, als auch bei Bedarf die Einbindung in Ihre Unternehmenssoftware ermöglicht, um datenschutzkonform alle gewünschten Auswertungen bereitstellen zu können.

Bei Kunden, für die eine solche Seminarlösung Neuland ist, ist zur Einführung das klassische Hotelseminar ideal. Nichts ist einfacher als das, Ihre Teilnehmer zu bitten, zur nächsten Veranstaltung Notebook oder Tablet mitzubringen. Die ersten Schritte in den virtuellen Seminarraum gehen Sie dann gemeinsam, um Berührungsängste abzubauen und später einen reibungslosen Ablauf vor Ort leichter zu ermöglichen.

Was ist Ihre Meinung zum Thema? Ist für Sie die Zeit gekommen, mit dem Projekt E-Learning im Unternehmen zu starten? Oder nutzen Sie derartige Tools bereits erfolgreich? Auf Ihr Feedback bin ich gespannt.